Frank Proske ist Mathematikprofessor an der Universität Oslo (Norwegen). Er war vom 8. März bis zum 14. Juni 2013 zu Gast am DAW-Zentrum. Er war bereit, für unser Newsletter folgendes Interview abzugeben.*   

DAW-News: Professor Frank Proske, danke, dass Sie unsere Einladung zu diesem Interview angenommen haben. Also, können Sie sich bitte ganz kurz vorstellen?

F.P: Ich bin Deutscher und lebe mit meiner Familie seit 2001 in Oslo/Norwegen. Nach meiner Habilitation in Fachbereich Mathematik an der Universität Ulm erhielt ich einen Ruf auf eine Professur an die Universität Oslo, wo ich seit 2006 auf dem Gebiet der Stochastischen Analysis und ihre Anwendungen in Forschung und Lehre tätig bin. 

DAW-News: Was machen Sie am DAW-Zentrum hier in Yaoundé? Was war Anlass zu Ihrem Besuch?

F.P: Ich bin hier im Rahmen eines Forschungssemesters am DAW-Institut.

DAW-News: Und wie kamen Sie denn dazu? Was motivierte ihre Wahl? Sie hätten ja auch nach Berlin oder Paris gehen können? War das ein Zufall?

F.P: Meine Wahl bzgl. Yaoundé I war u.a. motiviert durch das fachlich hohe Niveau vieler Masterstudenten im Bereich Mathematik. Die Förderung dieser vielversprechenden Studenten bis hin zur Promotion und weiter in Kooperation mit ausländischen Universitäten liegt mir sehr am Herzen. Mein erster Doktorand, den ich vor 8 Jahren hier in Yaoundé I auf einer Fach-Konferenz kennengelernt habe und der mehrere Jahre als Postdoc an unserer Universität in Oslo tätig war, hat mich in dieser Entscheidung nur bestätigt.

DAW-News: Sind sie mit ihrer Entscheidung zufrieden? Haben Sie vor Ort gute Kontakte und planen sie gemeinsame Projekte?

Ich bin mit meiner Entscheidung, gemessen an den bisher erreichten Zielen, vollauf zufrieden und plane daher, hier an der Universität Yaoundé I in Verbindung mit dem DAW-Institut, mein nächstes Forschungssemester zu verbringen. Ich bin gerade dabei, Gelder für eine oder zwei Doktorandenstellen in Oslo für Studenten aus Kamerun einzuwerben. Auf der anderen Seite wäre es auch wichtig, dass diese Förderung nicht zu einem „brain drain“ zu Ungunsten von Kamerun führt. Daher denken wir auch über Anreize nach (z.B. Fördermittel der GIZ), wie die geförderten Studenten mit ihrem im Ausland erworbenen know-how sich später hier im Lande weiterhin nutzbringend einbringen können. Ich habe diesen Aufenthalt hier nicht nur dazu genutzt, mit Kollegen am Institut Forschungsprojekte erfolgreich zu realisieren, sondern auch neben der Lehre zur Etablierung eines neuen Bachelor-Studienganges in Finanz- und Versicherungsmathematik an der Universität Yaoundé I beizutragen. Es ist geplant, dass das DAW-Institut bei der Etablierung des Bachelor-Programmes in Verbindung mit Partnern der Deutschen Industrie eine wichtige Rolle spielen wird.

DAW-News: Wie schätzen Sie den wissenschaftlichen Austausch mit den Kollegen hier? Entspricht er Ihren Erwartungen?

F.P: Die Zusammenarbeit mit Kollegen, die fachübergreifend ist, ist wissenschaftlich vielversprechend. Während meines Aufenthaltes hier am Institut haben wir daher einen Antrag auf Forschungsgelder bei der Norwegischen Forschungsgesellschaft zur Realisierung unserer Forschungsvorhaben gestellt. Meine Kontakte zu Kollegen hier sind nicht nur wissenschaftlich fruchtbar und inspirierend, sondern auch von  herzlich-freundschaftlicher Natur. Es ist daher ein Ausbau dieser Kontakte in Verbindung mit Forschungsaufenthalten in Oslo und Yaoundé geplant.

DAW-News: Und wie gefällt Ihnen die Arbeit am DAW-Zentrum. Sie sind jetzt seit einigen Wochen hier und haben mittlerweile viel über Entstehung und Funktionieren des Zentrums gelernt. Wie schätzen Sie die Bedeutung solch eines Zentrums für die Forschung vor Ort und für die internationale Vernetzung von Wissenschaftlern?  

F.P: Das DAW-Institut mit ihren traditionellen Kontakten der Mitarbeiter zu deutschen Unternehmen und Universitäten ist aus meiner Sicht eine ideale Anlaufstelle für Wissenschaftler und Wirtschaftakteure aus Deutschland Gemeinschaftsprojekte in Kamerun mit Erfolg umzusetzen. Es ist z.B. beabsichtigt, für den Studiengang Finanz- und Versicherungsmathematik hier am Institut einen Computer-gestützten virtuellen Handelsraum für Finanz- und Energiemärkte, finanziert von deutschen Banken oder Energiekonzernen, einzurichten, wo Studenten unter Anleitung von erfahrenen (Gast-) Dozenten ganz praktisch den Handel mit Finanzprodukten oder Energie-Derivaten gerade auch mit Blick auf west-afrikanische Märkte einüben können. Letzteres wäre auch sehr wichtig, um eine industrienahe Ausbildung im Banken- und Energieversorgungsbereich auf hohem internationalem akademischem Niveau in Kamerun zu gewährleisten. Weiterhin ist auch ein Austauschprogramm für Studenten dieses Programmes mit führenden Universitäten in Europa geplant. Das DAW-Institut wird hier entscheidend mit seiner internationalen Vernetzungsarbeit auch im Hinblick auf Industrie-Praktika für kamerunische Studenten in Deutschland und anderen Ländern entscheidend beitragen können.

DAW-News: Sie würden also gerne nochmal zurückkommen!?

F.P: Nur allzu gerne.

DAW-News: Prof. Frank Proske, ich wünsche Ihnen weiter einen angenehmen Aufenthalt. Danke Ihnen vielmals für Ihre Verfügbarkeit.

F.P: Es war mir eine Freude.

*Dieses Interview wurde von Constantin Sonkwé geführt.